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EMV-Compliance-Leitfaden

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) ist eine grundlegende Anforderung in der modernen Produktentwicklung. Mit zunehmender Komplexität elektronischer Systeme ist ein stabiler und störungsfreier Betrieb unter realen Einsatzbedingungen entscheidend für den Zugang zu internationalen Märkten.


EMV-Compliance beginnt vor der Abschlussprüfung. Produkt und Zielmarkt bestimmen die anwendbaren Normen, Prüfverfahren und Konformitätsbewertungsverfahren. Frühzeitige Designentscheidungen und Bewertungen erleichtern den Prüfprozess.

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IB-Lenhardt unterstützt Hersteller im gesamten EMV-Prozess. Unsere Leistungen umfassen Anforderungsanalysen, Pre-Compliance-Messungen, EMV-Konformitätsprüfungen und die Koordination der technischen Dokumentation.

→ EMV-Prüfdienstleistungen

Kurzübersicht

  • EMV-Grundlagen: Erläutert EMV als Zusammenspiel aus begrenzter Störaussendung und ausreichender Störfestigkeit und definiert elektromagnetische Störung, Beeinflussung und Störanfälligkeit.

  • EMV-Störaussendung: Behandelt leitungsgeführte und gestrahlte Störaussendungen. Die anwendbare Norm legt Anschlüsse, Frequenzbereiche, Messverfahren und Grenzwerte fest.

  • EMV-Störfestigkeit: Stellt typische Störgrößen wie ESD, Surge, Burst und HF-Störungen vor. Produktnormen bestimmen die erforderlichen Prüfungen, Pegel und Leistungskriterien.

  • EMV-Prüfverfahren: Beschreibt Prüfmittel und den Ablauf von der Auswahl der Anforderungen bis zum Prüfbericht.

  • EMV-Compliance für globale Märkte: Zeigt anhand von Beispielen für die EU, die USA, Kanada, Japan, Südkorea und China, wie sich die Anforderungen nach Produkt und Markt unterscheiden.

EMV-Grundlagen

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) beschreibt die Fähigkeit elektrischer und elektronischer Geräte, in ihrer elektromagnetischen Umgebung bestimmungsgemäß zu funktionieren, ohne dort unzulässige elektromagnetische Störungen zu verursachen.


EMV verbindet zwei sich ergänzende Aspekte:

  • Störaussendung: elektromagnetische Störungen, die ein Gerät erzeugt und über Leitungen oder als Strahlung an die Umgebung abgibt

  • Störfestigkeit: die Fähigkeit eines Geräts, bei Einwirkung elektromagnetischer Störungen die erforderliche Funktion aufrechtzuerhalten

Beeinträchtigt eine Störung die Funktion eines Geräts, spricht man von elektromagnetischer Beeinflussung (EMI). Die elektromagnetische Störanfälligkeit beschreibt, wie leicht ein Gerät beeinflusst wird. Eine höhere Störfestigkeit entspricht daher einer geringeren Störanfälligkeit.

EMV-Störaussendung

EMV-Störaussendungen sind elektromagnetische Störungen, die elektronische Geräte während des Betriebs erzeugen. Sie können als leitungsgeführte Störaussendungen über Kabel übertragen oder als gestrahlte Störaussendungen von Gehäusen, Kabeln und Schaltungen an die Umgebung abgegeben werden.

Wesentliche Übertragungswege:

  • Leitungsgeführte Störaussendungen: Störungen, die über Versorgungs-, Signal- oder Kommunikationsleitungen übertragen werden

  • Gestrahlte Störaussendungen: elektromagnetische Energie, die an die Umgebung abgestrahlt wird

Die anwendbare Produktnorm, Produktfamiliennorm oder Fachgrundnorm legt die relevanten Anschlüsse, Frequenzbereiche, Messverfahren und Grenzwerte fest.

Anwendbare Emissionsnormen (Beispiele)

Region Norm Anwendungsbereich
EU EN 55032 (CISPR 32) Multimediageräte
EN 61000-6-3 Wohnbereiche; Fachgrundnorm
EN 61000-6-4 Industriebereiche; Fachgrundnorm
USA FCC Part 15 Subpart B Unbeabsichtigte Strahler, etwa digitale Geräte
Region/Norm Details
EU EN 55032 (CISPR 32): Multimediageräte
EN 61000-6-3: Wohnbereiche; Fachgrundnorm
EN 61000-6-4: Industriebereiche; Fachgrundnorm
USA FCC Part 15 Subpart B: Unbeabsichtigte Strahler, etwa digitale Geräte

Die Fachgrundnormen der Reihe EN 61000-6-x gelten nur, wenn keine EMV-Produkt- oder Produktfamiliennorm vorhanden ist. Für Funkanlagen in der EU siehe EMV-Compliance in der Europäischen Union. Weitere Beispiele folgen unter EMV-Compliance für globale Märkte und branchenspezifische Anforderungen.

Häufige Quellen elektromagnetischer Störungen

Elektromagnetische Störungen können von Geräten erzeugt werden oder in der Umgebung auftreten. Die Kenntnis dieser Quellen hilft, Schwachstellen im Design zu erkennen und Pre-Compliance-Prüfungen zu planen.

Typische Störquellen:

  • Schaltnetzteile: erzeugen durch hochfrequentes Schalten Oberschwingungen und breitbandige elektromagnetische Störungen.

  • Digitale Schaltungen: Taktoberwellen und schnelle Schaltflanken von Prozessoren, Speicherschnittstellen und Hochgeschwindigkeits-Datenleitungen.

  • Kabel und Leitungssätze: wirken als unbeabsichtigte Antennen, die Störungen abstrahlen oder einkoppeln, insbesondere bei unzureichender Abschirmung oder ungünstiger Verlegung.

  • Motoren, Relais und induktive Lasten: Lichtbögen und Kontaktprellen verursachen breitbandige elektromagnetische Störungen.

  • Industrieanlagen: Schweißsysteme, Umrichter und schwere Maschinen erzeugen starke breitbandige Störungen in industriellen Umgebungen.

  • Beleuchtungssysteme: Emissionen von Leuchtstofflampen, LED-Treibern und elektronischen Vorschaltgeräten.

  • HF-Sender: beabsichtigte Strahler wie Mobiltelefone, WLAN, Bluetooth und andere Funksysteme in der Umgebung.

  • Natürliche und elektrostatische Phänomene: Blitzschlag, elektrostatische Entladungen und geomagnetische Störungen, die Geräte beeinflussen können.

Das Erkennen dieser Störquellen während der Designphase unterstützt gezielte Gegenmaßnahmen.

EMV-Störfestigkeit

Elektromagnetische Störfestigkeit ist die Fähigkeit eines Geräts, bei Einwirkung elektromagnetischer Störungen die erforderliche Funktion aufrechtzuerhalten. Die elektromagnetische Störanfälligkeit beschreibt, wie leicht ein Gerät durch diese Störungen beeinflusst wird. Eine höhere Störfestigkeit bedeutet eine geringere Störanfälligkeit.

Häufige EMV-Störfestigkeitsprüfungen

  • Elektrostatische Entladung (ESD): plötzliche Übertragung statischer Elektrizität

  • Schnelle transiente elektrische Störgrößen (Burst): schnelle Spannungsspitzen, die in Versorgungs- oder Signalleitungen eingekoppelt werden

  • Surge: Überspannungsereignisse durch Schaltvorgänge oder Blitzschlag

  • Gestrahlte HF-Störfestigkeit: Einwirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder

  • Leitungsgeführte HF-Störfestigkeit: hochfrequente Störungen, die in Kabel eingekoppelt werden

Die anwendbare Produkt- oder Produktfamiliennorm bestimmt die erforderlichen Prüfungen und legt Anschlüsse, Betriebsarten, Frequenzbereiche, Prüfpegel und Leistungskriterien fest.

Grundlegende Prüfverfahren zur Störfestigkeit

Prüfart Details
ESD Grundverfahren: EN 61000-4-2
Pegel und Kriterien: Durch die Produktnorm festgelegt
Burst Grundverfahren: EN 61000-4-4
Pegel und Kriterien: Durch die Produktnorm festgelegt
Surge Grundverfahren: EN 61000-4-5
Pegel und Kriterien: Durch die Produktnorm festgelegt
Gestrahlte HF Grundverfahren: EN 61000-4-3
Pegel und Kriterien: Durch die Produktnorm festgelegt
Leitungsgeführte HF Grundverfahren: EN 61000-4-6
Pegel und Kriterien: Durch die Produktnorm festgelegt
Prüfart Grundverfahren Pegel und Kriterien
ESD EN 61000-4-2 Durch die Produktnorm festgelegt
Burst EN 61000-4-4 Durch die Produktnorm festgelegt
Surge EN 61000-4-5 Durch die Produktnorm festgelegt
Gestrahlte HF EN 61000-4-3 Durch die Produktnorm festgelegt
Leitungsgeführte HF EN 61000-4-6 Durch die Produktnorm festgelegt

EN 55035 (CISPR 35) ist eine Produktfamiliennorm für die Störfestigkeit von Multimediageräten. Fachgrundnormen wie EN 61000-6-2 gelten nur, wenn keine einschlägige Produkt- oder Produktfamiliennorm vorhanden ist.

Anforderungen an die Netzqualität (Oberschwingungen und Flicker)

Geräte, die an ein öffentliches Niederspannungsnetz angeschlossen sind, müssen gegebenenfalls auch Grenzwerte für Oberschwingungsströme und Spannungsschwankungen einhalten.

  • Oberschwingungsströme (EN 61000-3-2): begrenzt die von Geräten mit einem Bemessungs-Eingangsstrom bis einschließlich 16 A je Leiter aufgenommenen Oberschwingungsströme.

  • Spannungsschwankungen und Flicker (EN 61000-3-3): begrenzt Spannungsänderungen und Flicker, die von Geräten mit bis zu 16 A je Leiter verursacht werden, die keiner bedingten Anschlussregelung unterliegen und an öffentliche Niederspannungsnetze mit 220 bis 250 V und 50 Hz angeschlossen sind.

Wenn diese Normen anwendbar sind, gehören die Ergebnisse zu den technischen Nachweisen für die Konformitätsbewertung und die CE-Kennzeichnung.

EMV-Prüfverfahren

Ein strukturiertes EMV-Prüfverfahren unterstützt eine konsistente und reproduzierbare Bewertung anhand der Anforderungen, die für das Produkt und den Zielmarkt gelten.

Prüfmittel und Prüfumgebungen

Für EMV-Bewertungen werden spezielle Messgeräte und kontrollierte Prüfumgebungen passend zum jeweiligen Störaussendungs- oder Störfestigkeitsverfahren eingesetzt, zum Beispiel:

  • Spektrumanalysatoren und EMI-Empfänger: Messung unerwünschter Störaussendungen in festgelegten Frequenzbereichen

  • Signalgeneratoren: Erzeugung kontrollierter elektromagnetischer Störungen für Störfestigkeitsprüfungen

  • Vollabsorber- und Halbabsorberkammern: geschirmte Umgebungen für Messungen der gestrahlten Störaussendung und Störfestigkeit

  • Netznachbildungen (LISN): definierte Impedanz und Messung leitungsgeführter Störaussendungen an AC- oder DC-Leitungen

  • Koppel- und Entkoppelnetzwerke (CDN): Einkopplung von HF-Störungen in Kabel für leitungsgeführte Störfestigkeitsprüfungen

Die Normenreihe CISPR 16 legt Messgeräte und Messverfahren für Funkstörungen fest, die bei Störaussendungsmessungen eingesetzt werden. Prüfaufbauten für die Störfestigkeit folgen dem jeweiligen Grundverfahren, etwa der Normenreihe EN 61000-4, zusammen mit der anwendbaren Produkt- oder Produktfamiliennorm.

EMV-Prüfablauf

Der folgende Ablauf zeigt die typische Reihenfolge eines EMV-Prüfprojekts. Anforderungen an die Akkreditierung oder Anerkennung des Labors richten sich nach dem Konformitätsverfahren und dem Zielmarkt.

01
Vorbereitung
Anwendbare Normen für das Produkt und die Zielmärkte ermitteln. Prüfverfahren, Betriebsarten, Anschlüsse, Prüfpegel und Leistungskriterien festlegen.
02
Prüfaufbau
Den Prüfling (DUT) in einer Absorberkammer oder auf einem standardisierten Prüfplatz mit LISN und CDNs konfigurieren.
03
Durchführung
Prüfungen der gestrahlten und leitungsgeführten Störaussendung durchführen. Anschließend folgen gemäß Prüfplan Störfestigkeitsprüfungen einschließlich ESD, Surge und HF-Störfestigkeit.
04
Bewertung
Die Ergebnisse mit den Grenzwerten und Leistungskriterien der anwendbaren Normen vergleichen.
05
Berichtserstellung
Messungen, Konfigurationen, Beobachtungen und Ergebnisse in einem EMV-Prüfbericht dokumentieren. Je nach Verfahren ist der Bericht Bestandteil der technischen Dokumentation, dient als Grundlage für eine Lieferantenerklärung oder als Nachweis für eine regulatorische Zulassung.

Wesentliche EMV-Designprinzipien

Ein wirksames EMV-Design beginnt in der Entwicklungsphase. Das frühzeitige Erkennen von Störquellen hilft, Nacharbeiten zu reduzieren und das Produkt auf EMV-Konformitätsprüfungen vorzubereiten. Zentrale EMV-Designmaßnahmen begrenzen Störaussendungen und verbessern die Störfestigkeit.

Prinzip Zweck
Optimierung des Leiterplattenlayouts Schleifenflächen verringern, Rückstrompfade verbessern und die Kopplung zwischen störenden und empfindlichen Schaltungen begrenzen
Abschirmung Gestrahlte Störaussendungen dämpfen und die Störfestigkeit gegenüber externen elektromagnetischen Feldern erhöhen
Filterung Leitungsgeführte Störungen auf Versorgungs- und Signalleitungen mit Ferriten, Kondensatoren und Filternetzwerken unterdrücken
Erdung und Potenzialausgleich Stabile Referenzpotenziale durch niederimpedante Flächen erhalten und unbeabsichtigte Kopplungswege minimieren

Diese Prinzipien unterstützen ein vorhersehbares elektromagnetisches Verhalten während der Entwicklung und Prüfung.

Prinzip Details
Optimierung des Leiterplattenlayouts Zweck: Schleifenflächen verringern, Rückstrompfade verbessern und die Kopplung zwischen störenden und empfindlichen Schaltungen begrenzen
Abschirmung Zweck: Gestrahlte Störaussendungen dämpfen und die Störfestigkeit gegenüber externen elektromagnetischen Feldern erhöhen
Filterung Zweck: Leitungsgeführte Störungen auf Versorgungs- und Signalleitungen mit Ferriten, Kondensatoren und Filternetzwerken unterdrücken
Erdung und Potenzialausgleich Zweck: Stabile Referenzpotenziale durch niederimpedante Flächen erhalten und unbeabsichtigte Kopplungswege minimieren

Diese Prinzipien unterstützen ein vorhersehbares elektromagnetisches Verhalten während der Entwicklung und Prüfung.

Pre-Compliance-Prüfungen

Pre-Compliance-Bewertungen ergänzen die Designarbeit, indem sie mögliche EMV-Probleme vor der Konformitätsprüfung erkennen. Frühzeitige Bewertungen helfen, Entwicklungsschleifen und Kosten zu reduzieren.

Mehr zu unseren EMV-Pre-Compliance-Prüfungen.

EMV-Compliance für globale Märkte

Die Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit hängen vom Produkt, seiner bestimmungsgemäßen Verwendung und Installation sowie vom Zielmarkt ab.

In der Europäischen Union richtet sich der anwendbare Rechtsrahmen nach Produkt und Sektor:

  • Funkanlagen im Anwendungsbereich der RED: werden nach der RED (2014/53/EU) bewertet, die eine eigene EMV-Anforderung enthält.

  • Sonstige elektrische und elektronische Geräte: werden nach der EMCD (2014/30/EU) bewertet, wenn sie in den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen. Sektorspezifische Rechtsvorschriften können stattdessen gelten oder zusätzliche Anforderungen stellen.

Zuerst werden die Funktionen, die bestimmungsgemäße Verwendung und die Zielmärkte des Produkts bestimmt. Daraus ergeben sich die anwendbaren Normen und das Konformitätsbewertungsverfahren.


Außerhalb der EU verwenden die Behörden produkt- und verfahrensspezifische Systeme. Anforderungen an Störaussendung, Störfestigkeit, Dokumentation, Gerätezulassung und Laboranerkennung gelten in unterschiedlichen Kombinationen. Die folgenden Tabellen zeigen ausgewählte Beispiele.

EMV-Compliance in der Europäischen Union

Die Tabelle zeigt typische Anwendungsbereiche und Beispiele für Normen, die mit der jeweiligen Richtlinie verwendet werden.

Richtlinie Details
RED (2014/53/EU) Gilt für: Funkanlagen
Typische Produkte: Smartphones, WLAN-Router, Bluetooth-Geräte
EMV-Normen: Anwendbare Teile der EN 301 489, in der Regel allgemeine Anforderungen zusammen mit dem einschlägigen gerätespezifischen Teil
EMCD (2014/30/EU) Gilt für: Elektrische und elektronische Betriebsmittel, einschließlich Geräte und ortsfester Anlagen
Typische Produkte: Netzteile, LED-Beleuchtungsgeräte, Steuergeräte
EMV-Normen: Anwendbare Produkt- oder Produktfamiliennormen wie EN 55032 und EN 55035; Fachgrundnormen wie EN 61000-6-1 / EN 61000-6-3 nur ersatzweise
Richtlinie Gilt für Typische Produkte EMV-Normen
RED (2014/53/EU) Funkanlagen Smartphones, WLAN-Router, Bluetooth-Geräte Anwendbare Teile der EN 301 489, in der Regel allgemeine Anforderungen zusammen mit dem einschlägigen gerätespezifischen Teil
EMCD (2014/30/EU) Elektrische und elektronische Betriebsmittel, einschließlich Geräte und ortsfester Anlagen Netzteile, LED-Beleuchtungsgeräte, Steuergeräte Anwendbare Produkt- oder Produktfamiliennormen wie EN 55032 und EN 55035; Fachgrundnormen wie EN 61000-6-1 / EN 61000-6-3 nur ersatzweise

Hinweis: Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b der RED enthält die EMV-Anforderung für Funkanlagen in ihrem Anwendungsbereich. Die EMCD gilt für diese Geräte nicht parallel. Die Anwendung harmonisierter Normen ist freiwillig. Eine im Amtsblatt der Europäischen Union referenzierte Norm begründet im Umfang und unter den Bedingungen ihrer Listung eine Konformitätsvermutung.

EMV-Compliance außerhalb der EU

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Anforderungen in ausgewählten Märkten geregelt sind. Anwendungsbereich, Konformitätsverfahren, Prüfinhalte und Laboranforderungen hängen vom jeweiligen Gerät ab.

Land Details
USA (FCC) EMV-Rahmenwerk: 47 CFR Part 15 (Subparts B und C)
Hinweise: Part 15 legt HF-Störaussendungsanforderungen für unbeabsichtigte und beabsichtigte Strahler fest. Das Zulassungsverfahren hängt vom Gerät ab. Part 15 enthält kein allgemeines Programm für Störfestigkeitsprüfungen.
Kanada (ISED) EMV-Rahmenwerk: ICES-003, RSS-Reihe
Hinweise: ICES-003 gilt für digitale Geräte; RSS-Normen gelten für Funkgeräte. Die Produktkategorie bestimmt das Zertifizierungsverfahren und ob eine Prüfung durch ein anerkanntes Labor erforderlich ist.
Japan (MIC; VCCI Council) EMV-Rahmenwerk: VCCI-CISPR 32 für Multimediageräte; produktspezifische Gesetze
Hinweise: VCCI ist ein freiwilliges System zur Kontrolle der Störaussendung von Multimediageräten. Verpflichtende Anforderungen können sich aus produkt- oder funkspezifischen Rechtsvorschriften ergeben.
Südkorea (RRA) EMV-Rahmenwerk: Konformitätsbewertung nach dem Radio Waves Act
Hinweise: Je nach Gerät gelten Certification of Conformity, Registration of Compatibility oder Interim of Conformity. Computer, Peripheriegeräte und andere gelistete Geräte nutzen das Registrierungsverfahren.
China (SAMR) EMV-Rahmenwerk: CCC-Katalog und produktspezifische Durchführungsbestimmungen
Hinweise: CCC gilt nur für Produkte im Katalog der zertifizierungspflichtigen Produkte. Zertifizierungsmodus und anwendbare Prüfungen richten sich nach den Produktregeln und den darin referenzierten Normen.
Land Regulierungsbehörde EMV-Rahmenwerk Hinweise
USA FCC 47 CFR Part 15 (Subparts B und C) Part 15 legt HF-Störaussendungsanforderungen für unbeabsichtigte und beabsichtigte Strahler fest. Das Zulassungsverfahren hängt vom Gerät ab. Part 15 enthält kein allgemeines Programm für Störfestigkeitsprüfungen.
Kanada ISED ICES-003, RSS-Reihe ICES-003 gilt für digitale Geräte; RSS-Normen gelten für Funkgeräte. Die Produktkategorie bestimmt das Zertifizierungsverfahren und ob eine Prüfung durch ein anerkanntes Labor erforderlich ist.
Japan MIC; VCCI Council (freiwillig) VCCI-CISPR 32 für Multimediageräte; produktspezifische Gesetze VCCI ist ein freiwilliges System zur Kontrolle der Störaussendung von Multimediageräten. Verpflichtende Anforderungen können sich aus produkt- oder funkspezifischen Rechtsvorschriften ergeben.
Südkorea RRA Konformitätsbewertung nach dem Radio Waves Act Je nach Gerät gelten Certification of Conformity, Registration of Compatibility oder Interim of Conformity. Computer, Peripheriegeräte und andere gelistete Geräte nutzen das Registrierungsverfahren.
China SAMR CCC-Katalog und produktspezifische Durchführungsbestimmungen CCC gilt nur für Produkte im Katalog der zertifizierungspflichtigen Produkte. Zertifizierungsmodus und anwendbare Prüfungen richten sich nach den Produktregeln und den darin referenzierten Normen.

Branchenspezifische EMV-Anforderungen

Branchenspezifische EMV-Anforderungen ergeben sich aus Zulassungsvorschriften, Produktnormen, Prüfverfahren oder Vertragsspezifikationen. Die Spalte Rolle zeigt, welche Funktion die jeweilige Vorgabe erfüllt.

Branche Anforderungsbeispiele Rolle
Digitale Geräte EN 55032 (CISPR 32) • EN 55035 (CISPR 35) Produktfamiliennormen für Störaussendung und Störfestigkeit von Multimediageräten.
Industriegeräte EN 61000-6-2 • EN 61000-6-4 Fachgrundnormen für Industrieumgebungen. Sie gelten nur, wenn keine Produkt- oder Produktfamiliennorm vorhanden ist.
Automobilindustrie UN-Regelung Nr. 10 • CISPR 25 • ISO 11452 Die UN-Regelung Nr. 10 bildet den Rahmen für die Typgenehmigung von Fahrzeugen. CISPR 25 behandelt Störungen, die fahrzeuginterne Empfänger beeinflussen. ISO 11452 stellt Verfahren für Störfestigkeitsprüfungen an Komponenten bereit.
Medizintechnik IEC 60601-1-2 EMV-Ergänzungsnorm für medizinische elektrische Geräte und Systeme, die Basissicherheit und wesentliche Leistungsmerkmale behandelt.
Militär und Verteidigung MIL-STD-461H • NATO AECTP-500 MIL-STD-461H ist eine Schnittstellen- und Nachweisnorm des US-Verteidigungsministeriums für Geräte und Teilsysteme. NATO AECTP-500 stellt Prüfverfahren bereit, wenn ein Programm oder Vertrag sie verlangt.
Branche Details
Digitale Geräte Anforderungsbeispiele: EN 55032 (CISPR 32) • EN 55035 (CISPR 35)
Rolle: Produktfamiliennormen für Störaussendung und Störfestigkeit von Multimediageräten.
Industriegeräte Anforderungsbeispiele: EN 61000-6-2 • EN 61000-6-4
Rolle: Fachgrundnormen für Industrieumgebungen. Sie gelten nur, wenn keine Produkt- oder Produktfamiliennorm vorhanden ist.
Automobilindustrie Anforderungsbeispiele: UN-Regelung Nr. 10 • CISPR 25 • ISO 11452
Rolle: Die UN-Regelung Nr. 10 bildet den Rahmen für die Typgenehmigung von Fahrzeugen. CISPR 25 behandelt Störungen, die fahrzeuginterne Empfänger beeinflussen. ISO 11452 stellt Verfahren für Störfestigkeitsprüfungen an Komponenten bereit.
Medizintechnik Anforderungsbeispiele: IEC 60601-1-2
Rolle: EMV-Ergänzungsnorm für medizinische elektrische Geräte und Systeme, die Basissicherheit und wesentliche Leistungsmerkmale behandelt.
Militär und Verteidigung Anforderungsbeispiele: MIL-STD-461H • NATO AECTP-500
Rolle: MIL-STD-461H ist eine Schnittstellen- und Nachweisnorm des US-Verteidigungsministeriums für Geräte und Teilsysteme. NATO AECTP-500 stellt Prüfverfahren bereit, wenn ein Programm oder Vertrag sie verlangt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche zentralen EMV-Anforderungen muss mein Produkt erfüllen?

Die EMV-Anforderungen hängen vom Produkt, seiner bestimmungsgemäßen Verwendung und dem Zielmarkt ab. Ausgangspunkt ist der Rechts- oder Zulassungsrahmen des jeweiligen Marktes. Daraus ergeben sich die einschlägigen Produkt- oder Produktfamiliennormen. Sie legen Grenzwerte für die Störaussendung, gegebenenfalls Anforderungen an die Störfestigkeit, Anschlüsse, Betriebsarten und Prüfverfahren fest. Fachgrundnormen (generische EMV-Normen) gelten nur, wenn keine einschlägige Produkt- oder Produktfamiliennorm vorhanden ist.

Was ist der Unterschied zwischen Störaussendung und Störfestigkeit?

Störaussendungen sind elektromagnetische Störungen, die das Produkt erzeugt und über Leitungen oder als Strahlung an die Umgebung abgibt. Störfestigkeit ist die Fähigkeit des Produkts, bei Einwirkung elektromagnetischer Störungen die erforderliche Funktion aufrechtzuerhalten.


Welche Grenzwerte und Prüfungen gelten, hängt vom Produkt, der anwendbaren Norm und dem Zielmarkt ab.

Sind EMV-Prüfungen für den globalen Marktzugang verpflichtend?

Viele Märkte verlangen vor dem Inverkehrbringen einen Nachweis der EMV-Konformität. Die erforderlichen Nachweise und Verfahren unterscheiden sich nach Produkt und Markt. Möglich sind eine Herstellerbewertung, eine Lieferantenerklärung, eine Gerätezulassung, eine Registrierung oder eine Zertifizierung. Das Verfahren sollte vor der Prüfung geklärt werden, damit die richtigen Normen, Konfigurationen und Laboranforderungen berücksichtigt werden.

Wie erkenne ich, ob RED oder EMCD gilt?

Funkanlagen im Anwendungsbereich der RED werden nach der RED bewertet. Sie enthält in Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b eine eigene EMV-Anforderung. Andere elektrische und elektronische Geräte können vorbehaltlich der Ausnahmen in den Anwendungsbereich der EMCD fallen. Zu prüfen sind die Funktionen und die bestimmungsgemäße Verwendung des Produkts sowie sektorspezifische Rechtsvorschriften, die stattdessen gelten oder zusätzliche Anforderungen stellen können.

Sind EMV-Prüfberichte aus verschiedenen Regionen austauschbar?

Nicht automatisch. Ein Bericht kann wiederverwendet werden, wenn Prüfverfahren, Normenausgabe, Produktkonfiguration, Betriebsarten, Grenzwerte, Berichtsformat und Anforderungen an die Laboranerkennung mit dem Zielmarkt übereinstimmen. Bei Abweichungen sind zusätzliche Bewertungen oder Prüfungen erforderlich. Eine vor der Prüfung erstellte Zielmarktmatrix zeigt, welche Nachweise gemeinsam genutzt werden können und welche marktspezifisch sind.

Sind Pre-Compliance-Prüfungen für die Zertifizierung ausreichend?

Nein. Pre-Compliance-Prüfungen unterstützen Designentscheidungen und verringern das Risiko, eine Konformitätsprüfung nicht zu bestehen. Sie ersetzen nicht die vom Zielmarkt geforderte Konformitätsbewertung. Je nach Verfahren umfasst diese Konformitätsprüfungen, ein akkreditiertes oder anerkanntes Labor, eine Registrierung oder eine Zertifizierung.

Entfällt die EMV-Prüfung bei Verwendung eines zertifizierten Funkmoduls?

Nicht automatisch. Ein zertifiziertes Funkmodul kann einen Teil des Aufwands für die Funkzulassung reduzieren. Zulassungsbedingungen, Integrationshinweise, genehmigte Antennen und das Endprodukt müssen für den Zielmarkt geprüft werden. Je nach Integration und Verfahren können am Endprodukt weiterhin Prüfungen oder Bewertungen zu Störaussendung, Störfestigkeit, Funkleistung, HF-Exposition oder Dokumentation erforderlich sein.

Weiterführende Informationen und offizielle Quellen

Internationale Normen

Europäische Union

  • RED: Richtlinie über Funkanlagen (2014/53/EU)

    Konsolidierter Text (Deutsch): EUR-Lex

  • EMCD: Richtlinie über elektromagnetische Verträglichkeit (2014/30/EU)

    Konsolidierter Text (Deutsch): EUR-Lex

  • ETSI EN 301 489-1: Allgemeine EMV-Anforderungen an Funkanlagen

    Norm (Englisch): ETSI

  • Harmonisierte EU-Normen für Funkanlagen

    Offizielle Seite (Englisch): Europäische Kommission

Vereinigte Staaten von Amerika

  • FCC Title 47 CFR Part 15: Radio Frequency Devices

    Rechtsvorschrift (Englisch): eCFR

  • FCC Equipment Authorization Search

    Datenbank (Englisch): FCC

Kanada

Asien-Pazifik

  • Südkorea RRA: Konformitätsbewertungssystem

    Offizielle Seite (Englisch): RRA

  • China SAMR: China Compulsory Certification (CCC)

    Offizielle Quelle (Englisch): SAMR

  • VCCI Council: Freiwillige Kontrolle für Multimediageräte

    Offizielle Seite (Englisch): VCCI Council

Zusätzliche Ressource

  • TAMSys von IB-Lenhardt AG: Type Approval Management System

    TAMSys unterstützt Produkt-Compliance-Teams dabei, Produkte, Typgenehmigungsprojekte, Zertifikate, Status- und Ablaufdaten sowie zugehörige Dokumente in einem Arbeitsbereich zu organisieren.
    → Mehr über TAMSys

Dies ist eine kuratierte Auswahl zentraler Quellen. Prüfen Sie stets die aktuelle Ausgabe, Einschränkungen und Verfahren für das konkrete Produkt und den Zielmarkt. Die Quellenliste wurde am 14. Oktober 2026 geprüft.

Überprüft und aktualisiert am 14. Oktober 2026
Autor: IBL-Editors Team
Technische Überprüfung: Daniel Lenhardt - CEO & Owner | IB-Lenhardt AG
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