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EN 55035 (CISPR 35)

EN 55035 ist die harmonisierte europäische Norm für die EMV-Störfestigkeit von Multimedia-Geräten (MME). Die von CENELEC veröffentlichte EN 55035:2017 basiert auf CISPR 35:2016 und enthält gemeinsame europäische Änderungen.


Die Norm legt Anforderungen an die Störfestigkeit fest, die ein angemessenes Maß an inhärenter Störfestigkeit gewährleisten sollen, damit Multimedia-Geräte in ihrer vorgesehenen Umgebung bestimmungsgemäß funktionieren können. Die jeweils anwendbaren Bewertungskriterien bestimmen, welche vorübergehenden Beeinträchtigungen während einer Prüfung zulässig sind und welche Wiederherstellung danach erforderlich ist. Der Anwendungsbereich umfasst MME mit einer Bemessungsversorgungsspannung von höchstens 600 V AC oder DC.

Anwendungsbereich

EN 55035 gilt für ein breites Spektrum von Multimedia-Geräten, darunter:

  • Computer, Monitore und Peripheriegeräte

  • Fernsehgeräte, Set-Top-Boxen und Streaming-Geräte

  • Spielkonsolen und Audio-/Videogeräte

  • Rundfunkempfänger und integrierte Multimediasysteme

EN 55032 (CISPR 32) behandelt die Störaussendungen von Multimedia-Geräten und wird häufig zusammen mit EN 55035 betrachtet. Eine vollständige EMV-Bewertung berücksichtigt zusätzlich die anwendbaren Rechtsvorschriften, Produkteigenschaften, Anschlüsse und weiteren elektromagnetischen Phänomene.


EN 55035 fasste Störfestigkeitsanforderungen zusammen, die zuvor in EN 55020, EN 55024 und EN 55103-2 behandelt wurden. Die Referenz von EN 55035:2017 zusammen mit A11:2020 wurde 2021 als harmonisierte Norm im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Bei Übergangsbewertungen sind der jeweilige Rücknahmestatus der Vorgängerausgaben und der zugehörige Zeitraum der Konformitätsvermutung zu berücksichtigen.

Ausgewählte technische Anforderungen

Die folgende Übersicht zeigt ausgewählte Störphänomene und repräsentative Anforderungen. Sie ist kein vollständiger Prüfplan. Anwendbarkeit, Prüfpegel, Einkopplungsverfahren und Bewertungskriterien müssen anhand der maßgeblichen Normausgabe für das Gerät, seine Anschlüsse, Funktionen und die vorgesehene Umgebung bestimmt werden.

PrüfgrößeDetails
Elektrostatische Entladung (ESD) Referenz: EN 61000-4-2
Ausgewählte Anforderungen: ±4 kV Kontaktentladung und ±8 kV Luftentladung; direkte und indirekte Entladungen werden soweit anwendbar berücksichtigt
Gestrahlte HF-Störfestigkeit Referenz: EN 61000-4-3
Ausgewählte Anforderungen: 3 V/m von 80 MHz bis 1 GHz sowie zusätzliche Prüfungen bei 1,8 GHz, 2,6 GHz, 3,5 GHz und 5 GHz unter den jeweils anwendbaren Bedingungen
Schnelle transiente elektrische Störgrößen (Burst) Referenz: EN 61000-4-4
Ausgewählte Anforderungen: Typischerweise ±1 kV an anwendbaren AC-Netzanschlüssen und ±0,5 kV an anwendbaren DC-Versorgungs-, Signal- und kabelgebundenen Netzwerkanschlüssen; Anschluss- und Kabellängenbedingungen sind zu beachten
Stoßspannungsfestigkeit (Surge) Referenz: EN 61000-4-5
Ausgewählte Anforderungen: Für anwendbare AC-Netzanschlüsse ±1 kV Leiter–Leiter und ±2 kV Leiter–Erde; Anforderungen an andere Anschlüsse hängen unter anderem von Schirmung, Außenleitungen und Schutzmaßnahmen ab
Leitungsgeführte HF-Störfestigkeit Referenz: EN 61000-4-6
Ausgewählte Anforderungen: 3 V von 150 kHz bis 10 MHz, abfallend auf 1 V bei 30 MHz, anschließend 1 V bis 80 MHz; nur unter den festgelegten Bedingungen auf relevante Anschlüsse anzuwenden
Spannungseinbrüche und Unterbrechung Referenz: EN 61000-4-11
Ausgewählte Anforderungen: 0 % Restspannung für 0,5 Perioden; 70 % Restspannung für 25 Perioden bei 50 Hz; Unterbrechung mit 0 % Restspannung für 250 Perioden bei 50 Hz
Magnetfeld mit energietechnischer Frequenz Referenz: EN 61000-4-8
Ausgewählte Anforderungen: Anwendbar, wenn magnetfeldempfindliche Funktionen vorhanden sind; erforderlicher Prüfpegel und Bewertungskriterium hängen vom Gerät und der Funktion ab
Breitbandige impulsförmige Störungen Referenz: Prüfverfahren nach CISPR 35 / EN 55035
Ausgewählte Anforderungen: Unter den in der Multimedia-Störfestigkeitsnorm festgelegten Anwendungsbedingungen auf relevante kabelgebundene Netzwerkanschlüsse anzuwenden
PrüfgrößeReferenzAusgewählte Anforderungen
Elektrostatische Entladung (ESD)EN 61000-4-2±4 kV Kontaktentladung und ±8 kV Luftentladung; direkte und indirekte Entladungen werden soweit anwendbar berücksichtigt
Gestrahlte HF-StörfestigkeitEN 61000-4-33 V/m von 80 MHz bis 1 GHz sowie zusätzliche Prüfungen bei 1,8 GHz, 2,6 GHz, 3,5 GHz und 5 GHz unter den jeweils anwendbaren Bedingungen
Schnelle transiente elektrische Störgrößen (Burst)EN 61000-4-4Typischerweise ±1 kV an anwendbaren AC-Netzanschlüssen und ±0,5 kV an anwendbaren DC-Versorgungs-, Signal- und kabelgebundenen Netzwerkanschlüssen; Anschluss- und Kabellängenbedingungen sind zu beachten
Stoßspannungsfestigkeit (Surge)EN 61000-4-5Für anwendbare AC-Netzanschlüsse ±1 kV Leiter–Leiter und ±2 kV Leiter–Erde; Anforderungen an andere Anschlüsse hängen unter anderem von Schirmung, Außenleitungen und Schutzmaßnahmen ab
Leitungsgeführte HF-StörfestigkeitEN 61000-4-63 V von 150 kHz bis 10 MHz, abfallend auf 1 V bei 30 MHz, anschließend 1 V bis 80 MHz; nur unter den festgelegten Bedingungen auf relevante Anschlüsse anzuwenden
Spannungseinbrüche und UnterbrechungEN 61000-4-110 % Restspannung für 0,5 Perioden; 70 % Restspannung für 25 Perioden bei 50 Hz; Unterbrechung mit 0 % Restspannung für 250 Perioden bei 50 Hz
Magnetfeld mit energietechnischer FrequenzEN 61000-4-8Anwendbar, wenn magnetfeldempfindliche Funktionen vorhanden sind; erforderlicher Prüfpegel und Bewertungskriterium hängen vom Gerät und der Funktion ab
Breitbandige impulsförmige StörungenPrüfverfahren nach CISPR 35 / EN 55035Unter den in der Multimedia-Störfestigkeitsnorm festgelegten Anwendungsbedingungen auf relevante kabelgebundene Netzwerkanschlüsse anzuwenden
  • Bewertungskriterien: Kriterium A verlangt grundsätzlich den normalen Betrieb während und nach der Prüfung. Die Kriterien B und C können definierte vorübergehende Beeinträchtigungen oder Funktionsverluste zulassen, sofern die für Störphänomen und Funktion festgelegten Wiederherstellungsanforderungen erfüllt werden.
  • Prüfverfahren: Die meisten Störphänomene verweisen auf Grundnormen der Reihe EN 61000-4-x. Für breitbandige impulsförmige Störungen enthält CISPR 35 beziehungsweise EN 55035 zudem eigene Verfahren.

Typische Prüfanordnungen

  • ESD: direkte Entladungen auf zugängliche leitfähige Oberflächen und indirekte Entladungen auf Koppelplatten mit einem ESD-Simulator

  • Gestrahlte HF: eine validierte Prüfumgebung für gestrahlte Störfestigkeit mit geeigneten Antennen und HF-Verstärkung; ein Halbabsorberraum ist eine übliche Ausführung

  • Burst und Surge: Kopplungs-/Entkopplungsnetzwerke, die für den jeweiligen Versorgungs-, Signal- oder Netzwerkanschluss und die Kopplungsart ausgewählt werden

  • Leitungsgeführte HF: ein zum Anschluss, Kabel und zur referenzierten Grundnorm passendes Einkopplungsverfahren; Koppelzangen sind nicht universell einsetzbar

Konformität und Dokumentation

EN 55035:2017 zusammen mit A11:2020 ist als harmonisierte Norm unter der EMV-Richtlinie 2014/30/EU gelistet. Bei korrekter Anwendung kann die gelistete Norm eine Konformitätsvermutung nur für die von ihrem Anwendungsbereich erfassten grundlegenden Anforderungen und Störphänomene begründen.


EN 55032 kann zur Bewertung der Störaussendungen von Multimedia-Geräten herangezogen werden. Keine der beiden Normen entbindet jedoch davon, sämtliche anwendbaren EMV-Anforderungen zu ermitteln. Prüfberichte sind Bestandteil der technischen Dokumentation und zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen des Geräts aufzubewahren. In der EU-Konformitätserklärung werden die einschlägigen harmonisierten Normen oder anderen technischen Spezifikationen angegeben; eine allgemeine Pflicht zur Auflistung jedes einzelnen Prüfberichts besteht nicht.


Die EMV-Richtlinie erlaubt die interne Fertigungskontrolle. Unabhängige Laborprüfungen können die Bewertung unterstützen, eine gesonderte EMV-Zertifizierung durch eine dritte Stelle ist für die CE-Kennzeichnung jedoch nicht generell vorgeschrieben.

Relevanz im Produktlebenszyklus

  • EMV-Pre-Compliance während der Entwicklung nutzen, um Schwachstellen der Störfestigkeit vor der formellen Bewertung zu erkennen.

  • Änderungen an Produkt, Hardware, Software, Firmware und Konfiguration auf ihre Auswirkungen auf die Störfestigkeit und die dokumentierte Bewertung prüfen.

  • Änderungen anwendbarer Normen und ihrer Amtsblattfundstellen bei laufender Produktion beobachten; eine Normänderung verpflichtet nicht automatisch zur erneuten Prüfung aller bereits rechtmäßig in Verkehr gebrachten Produkte.

Benötigen Sie Unterstützung?

Wir unterstützen bei EMV-Prüfungen nach EN 55035 und weiteren für das Produkt anwendbaren Normen. Unsere Leistungen umfassen Pre-Compliance-Bewertungen, Prüfplanung, Störfestigkeitsprüfungen und Unterstützung bei der technischen Dokumentation. → Mehr über unsere EMV-Prüfdienstleistungen und die CE-Kennzeichnung.

Weiterführende Informationen und offizielle Quellen

Normen und EU-Fundstelle

Diese Auswahl enthält zentrale Quellen. Für vollständige und aktuelle Anforderungen sind die anwendbare Norm und die offiziellen Portale der zuständigen Stellen heranzuziehen. Alle Verweise wurden im September 2026 geprüft.

Überprüft und aktualisiert am 10. September 2026
Autor: IBL-Editors Team
Technische Überprüfung: Andreas Bender - Deputy Managing Director | IBL-Lab GmbH
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