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Leitungsgebundene Störaussendungen

Leitungsgebundene Störaussendungen (Conducted emissions) sind unerwünschte elektromagnetische Störungen, die über Netz- und Signalleitungen übertragen werden und potenziell andere Geräte im selben elektrischen Netzwerk beeinträchtigen können. Das Verständnis und die Kontrolle dieser Emissionen sind entscheidend für die EMV-Konformität und die Produktzulassung in regulierten Märkten.


Die Prüfung leitungsgebundener Störaussendungen ist eine grundlegende Anforderung der weltweiten Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) und gilt für die meisten elektronischen Geräte, die für den Einsatz in Wohn-, Gewerbe- oder Industrieumgebungen bestimmt sind.

Warum leitungsgebundene Störaussendungen wichtig sind

Elektronische Geräte mit Schaltkreisen, digitaler Logik oder Leistungswandlung erzeugen hochfrequente Störungen, die sich über angeschlossene Kabel ausbreiten können. Ohne geeignete Filter- oder Designmaßnahmen können diese Störungen:

  • Den Betrieb benachbarter Geräte beeinträchtigen

  • Datenfehler oder Systeminstabilität verursachen

  • Regulatorische Emissionsgrenzwerte verletzen

Regulatorische Auswirkungen:

  • Produkte, die leitungsgebundene Emissionsgrenzwerte überschreiten, können nicht in regulierten Märkten verkauft werden

  • Nachträgliche Korrekturen nach der Serienproduktion sind teuer und zeitaufwändig

  • Früherkennung durch Vorab-Konformitätsprüfungen spart Entwicklungskosten

Messaufbau

Netznachbildung (Line Impedance Stabilization Network, LISN)

  • Stellt eine definierte Impedanz zwischen dem Prüfling und der Stromquelle bereit

  • Entkoppelt den Messaufbau von externen Netzschwankungen

  • Koppelt hochfrequente Emissionen an den Messempfänger

Erforderliche Ausrüstung

  • EMI-Empfänger oder Spektrumanalysator zur Signalerfassung

  • Netznachbildung (LISN) für Netzleitungsmessungen

  • Geschirmte Testumgebung zur Minimierung von Umgebungsstörungen

Prüfablauf

  1. Der Prüfling wird in typischen oder ungünstigsten Betriebsmodi betrieben

  2. Emissionen werden über den festgelegten Frequenzbereich gemessen (typischerweise 150 kHz bis 30 MHz)

  3. Ergebnisse werden mit geltenden Grenzwerten verglichen

Frequenzbereich und Grenzwerte

Leitungsgebundene Störaussendungen werden typischerweise von 150 kHz bis 30 MHz bewertet, wobei die Messergebnisse in dBµV ausgedrückt werden.

Die Grenzwerte variieren abhängig von:

  • Produktkategorie (z.B. Wohn- vs. Industriebereich)

  • Anwendbarem regulatorischen Rahmen

  • Klassifizierung der Betriebsumgebung

Anwendbare Normen

Grenzwerte für leitungsgebundene Störaussendungen sind in regionalen und internationalen Normen definiert:

Europa:

  • EN 55032 (CISPR 32) – Multimediageräte

  • EN 61000-6-3 – Fachgrundnorm für Wohn-, Gewerbe- und Leichtindustrieumgebungen

  • EN 61000-6-4 – Fachgrundnorm für Industrieumgebungen

USA:

  • FCC Part 15 Subpart B – Unbeabsichtigte Störstrahler

International:

  • CISPR 11 – Industrie-, Wissenschafts- und Medizingeräte

  • CISPR 22 – Informationstechnikgeräte (ersetzt durch CISPR 32)

Häufige Ursachen für Nicht-Konformität

Typische Quellen übermäßiger leitungsgebundener Störaussendungen umfassen:

  • Unzureichende Eingangsfilterung bei Netzteilen

  • Hochfrequentes Schalten ohne ausreichende Dämpfung

  • Schlechtes PCB-Layout oder Erdungskonzept

  • Fehlende oder unterdimensionierte Gleichtaktdrosseln

  • Unzureichende Abschirmung interner Verkabelung

Konstruktionsempfehlungen:

  • Verwenden Sie X/Y-Kondensatoren und Gleichtaktdrosseln am Netzeingang

  • Implementieren Sie RC-Snubber an hochfrequenten Schaltstellen

  • Minimieren Sie Stromschleifenflächen im PCB-Layout

  • Bringen Sie Ferritperlen an I/O- und Signalleitungen an

Die Identifizierung und Behebung dieser Probleme während der Entwicklungsphase reduziert das Risiko von Konformitätsausfällen bei formellen Prüfungen.

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Überprüft und aktualisiert am 18. November 2025 vom IBL-Editors Team Feedback zu diesem Artikel geben
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